Manuelle Therapie in der Tierphysiotherapie – abgeleitet vom lateinischen manus („Hand“) – umfasst diagnostische und therapeutische Techniken, bei denen über gezielte manuelle Reize funktionelle Veränderungen des Bewegungsapparates beeinflusst werden. Durch die manuelle Palpation können beim Tier Gewebeeigenschaften wie lokale Temperaturveränderungen, Umfangsvermehrungen, muskuläre Tonusveränderungen (Hyper- oder Hypotonus) sowie myofasziale Triggerpunkte differenziert beurteilt werden.

Zu den angewandten Behandlungsmethoden zählen unter anderem klassische Massagegriffe, passive und aktive Mobilisationen peripherer und vertebraler Gelenkstrukturen sowie Dehntechniken der Muskulatur und Faszien. Ziel ist die Wiederherstellung physiologischer Beweglichkeit, muskulärer Leistungsfähigkeit und funktioneller Belastbarkeit unter Berücksichtigung artspezifischer und individueller biomechanischer Gegebenheiten. Dabei steht der Körper des Tieres als funktionelle Einheit im Vordergrund.

Manuelle therapeutische Interventionen können über afferente Reize eine Aktivierung des parasympathischen Nervensystems bewirken. Dies führt zu einer Reduktion neuromuskulärer Spannungszustände, unterstützt die autonome Regulation und fördert die Wiederherstellung der körpereigenen Homöostase, was sich positiv auf Schmerzmodulation, Bewegungsqualität und Regenerationsfähigkeit des Tieres auswirken kann.

Was ist Manuelle Physiotherapy?

Physiotherapeuticher Erstbefund & Untersuchungsgang

Bitte planen Sie für eine erste Behandlung ca. 1,5-2 Stunden ein

Erhebung relevanter Informationen zum Tier (Behandlungsgrund, Haltungsbedingungen, Fütterung, Vorerkrankungen, Medikation etc.), in der Regel vor dem ersten Termin per Telefon oder Anamnesebogen

1. Anamnese

Die Exterieurbeurteilung dient der frühzeitigen Erkennung von Asymmetrien und Auffälligkeiten am Körper

2. Adspektion

Der Bewegungsapparat des Tieres wird auf hartem und weichem Boden im Schritt, Trab und Galopp beurteilt, um Lahmheiten oder Kompensationsmuster zu erkennen

3. Gangbild Analyse

Anschließend werden die Hände am Tier angelegt, um das Gewebe zu spüren und manuell zu beurteilen. Dabei können Wärme sowie unterschiedliche Muskelspannungen wahrgenommen werden

4. Übersichtspalpation

Die physiologische Beweglichkeit jedes Gelenks wird beurteilt und seitenvergleichend überprüft. Einschränkungen des Bewegungsumfangs (Range of Motion) werden dokumentiert und im Zusammenhang mit den bisherigen Befunden des Körpers analysiert.

5. Gelenksfunktionsprüfung

Haupt- und Nebenbefunde werden identifiziert und therapeutisch adressiert. Auf dieser Grundlage wird ein individueller Therapieplan für das Tier erstellt, einschließlich ergänzender Übungen bis zum nächsten Behandlungstermin.

6. Behandlung

Was ist Bewegungstherapie?

Die Bewegungstherapie dient der gezielten und systematischen Förderung der Muskulatur eines Tieres mit dem Ziel der Rehabilitation und Kräftigung.

Bei der passiven Bewegungstherapie wird das Tier durch den Therapeuten bewegt, ohne dass das Tier selbst Muskelkraft einsetzt. Diese Behandlungsform unterstützt den Erhalt und die Verbesserung des physiologischen Bewegungsradius, regt die Produktion der Synovialflüssigkeit im Gelenk an und fördert die Durchblutung. Dadurch wird das Gelenk besser mit Nährstoffen versorgt und der Stoffwechsel aktiviert. Zu den angewandten Methoden zählen unter anderem Gelenkmobilisationen, Traktions- und Kompressionstechniken sowie Gleitbewegungen.

Die aktive Bewegungstherapie verfolgt das Ziel, die Muskulatur systematisch und progressiv zu stärken, mit besonderem Fokus auf Kraft und Ausdauer. Sie ist vor allem nach Verletzungen oder längeren Trainingspausen von großer Bedeutung, um rezidivierenden Verletzungen vorzubeugen. Zum Einsatz kommen dabei Koordinationsübungen, Balance-Pads zur Förderung der Propriozeption, gymnastische Übungen, Intervalltraining sowie isometrische Übungen.

Was ist Rehabilitation Begleitung?

Nach einer Verletzung oder Operation ist es wichtig, den Heilungsprozess frühzeitig und richtig zu unterstützen. Das Gewebe heilt in mehreren Phasen, in denen jeweils unterschiedliche Physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll sind.

1. Entzündungsphase (Tag 1–5)
In dieser ersten Phase kommt es zu Schwellung, Rötung, Wärme und Schmerzen. Das verletzte Gewebe ist sehr empfindlich und darf nicht belastet werden. Physiotherapie ist dennoch sinnvoll, um andere Körperbereiche zu behandeln und Fehlbelastungen oder Schonhaltungen zu vermeiden.

2. Aufbauphase (Tag 6–21)
Die Entzündung nimmt ab, das Gewebe ist jedoch weiterhin instabil. Sanfte, gezielte Physiotherapeutische Reize helfen dem Körper, das Gewebe richtig auszurichten und übermäßige Narbenbildung zu vermeiden. Dies senkt das Risiko für erneute Verletzungen.

3. Stabilisierungsphase (Tag 22–60)
Das Gewebe wird zunehmend belastbarer. Jetzt dürfen leichte Spannungen aufgebaut werden. Die Therapie konzentriert sich auf die Wiederherstellung der normalen Beweglichkeit sowie auf erste aktive Übungen zur Stabilität.

4. Umbau- und Trainingsphase (Tag 60–360)
Das Gewebe heilt weiter aus und wird belastungsfähig. Der Fokus liegt nun auf dem Aufbau von Kraft und Ausdauer, damit das Tier langfristig beweglich, belastbar und schmerzfrei bleibt – sei es im Sport oder im Alltag als treuer Begleiter.

Prävention & Gesunderhalten

Prävention ist die beste Medizin. Unabhängig davon, ob es sich um einen Leistungssportler oder einen liebevollen Begleiter handelt, ist eine freie, schmerzlose und funktionelle Bewegung ohne Ausweich- oder Schonmuster entscheidend für ein langes Leben und eine hohe Lebensqualität.

Die Fähigkeit, sich funktionell zu bewegen, ist eine wesentliche Voraussetzung für körperliche Langlebigkeit. Ein kräftiger und beweglicher Körper ist widerstandsfähiger gegenüber körperlichen Belastungen und den Herausforderungen des Alltags. Gezielte physiotherapeutische Maßnahmen und individuell auf jedes Tier abgestimmte Übungen tragen dazu bei, die Leistungsfähigkeit auf dem gewünschten Niveau zu erhalten oder einfach beschwerdefreie tägliche Spaziergänge zu ermöglichen.

Ein starker, belastbarer Körper ist ein zentraler Bestandteil des ganzheitlichen Wohlbefindens eines Tieres.

Magnetfeld Therapie

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